Aktuell: Januar / Februar 2008 Aktuelles Heft
 
Goslar 2008: Deutscher Gold-Euro würdigt das UNESCO-Welterbe



Zum UNESCO-Welterbe Goslars gehören die Altstadt und das Bergwerk Rammelsberg, wie es auch die Umschrift auf dem 2008er Gold-Euro ausdrückt.

 

Der Meistergraveur

Wolfgang Theodor Doehm machte sich bei Münzensammlern bereits vor über 30 Jahren einen Namen mit der Gestaltung der 5-Mark-Kursmünze aus dem fälschungssichereren Dreischichtenwerkstoff Magnimat, die die alte 5-DM-Silbermünze 1975 ablöste. Mit der 10-Mark-Gedenkmünze zum 250. Geburtstag von Johann Gottfried Herder wurde 1994 abermals eine Arbeit des Stuttgarters als Münze geprägt.

Der jetzige 1. Preis für den Gold-Euro 2008 ist aber zweifellos einer der Höhepunkte im künstlerischen Schaffen des heute 73-jährigen. Dabei wollte Doehm sein Gipsmodell eigentlich noch verfeinern, denn mit einigen Details war er noch nicht ganz zufrieden. Einzig: die Zeit fehlte. Erst am letzten Tag vor Ablauf der Abgabefrist hetzte er nachmittags zum Postamt und brachte seine Arbeit auf den Weg zum Preisgericht. Umso überraschter war er, als ihn Ende Oktober der Anruf der Jury erreichte, er habe den Wettbewerb gewonnen. „Zuerst dachte ich, da erlaubt sich einer einen schlechten Scherz mit mir“, erinnert sich Doehm, „ich konnte es einfach nicht glauben“.

Wolfgang Th. Doehm hatte 1951 seine dreijährige Ausbildung zum Reliefgraveur begonnen und legte 1965 erfolgreich die Meisterprüfung ab. Bis 1985 war er 30 Jahre lang regelmäßig für die Staatliche Münze Stuttgart tätig und fertigte Entwürfe und Prägestempel für Münzen und Medaillen. Daneben beteiligte er sich seit 1971 an den Designwettbewerben für Bundesmünzen, bei denen er immer wieder unter die ersten Vier kam. Jetzt hat er nach 14 Jahren wieder den ganz großen Erfolg. Die Freude darüber ist ihm anzumerken, auch wenn er bescheiden sagt: „Das war eine Arbeit wie andere auch“.

 

Ein besonders gelungenes Motiv wird den deutschen Gold-Euro des Jahres 2008 zieren, das hat die Bundesregierung im Dezember beschlossen. Dem Stuttgarter Graveurmeister Wolfgang Th. Doehm ist es in seinem Entwurf gelungen, markante Bauwerke der Altstadt Goslars und ihre denkmalgeschützten Bergwerksanlagen zu einem Relief zu vereinen, das wahrlich an historische Städtetaler erinnert.

Im Rahmen der goldenen „UNESCO Welterbe“-Serie auf 100-Euro-Gedenk­münzen der Bundesrepublik Deutschland wird 2008 die ehemalige Kaiserpfalz, Reichs- und Hansestadt Goslar geehrt. Ihre weitgehend erhaltene mittelalterliche Altstadt wurde zusammen mit den Bergwerksanlagen Rammelsberg 1992 in die Welterbeliste der UNESCO eingetragen. 

Der Stuttgarter Graveurmeister Wolfgang Th. Doehm arrangierte markante Gebäude der Altstadt und des Bergwergs ausgewogen auf dem Münzrund. So sind zum Beispiel das Breite Tor, das Rathaus und die Marktkirche zu erkennen, die symbolisch für das Welterbe der Goslarer Altstadt stehen.

Auf der rechten Hälfte werden dominierend die Übertageanlagen am Rammelsberg dargestellt, die ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören und gleichzeitig die wirtschaftliche Bedeutung des Erzbergwerks für die Stadt thematisieren. Durch die Einbettung des Gebäudeensembles in die sanfte Mittelgebirgslandschaft des Harzes entstand eine perfekte Komposition, welche die Fachjury insgesamt als „sehr gelungen“ lobte und mit dem 1. Preis auszeichnete.

Goslars goldener Adler als Vorbild für die Wertseite

Auch bei den Sammlern dürfte das Urteil des Preisgerichts auf ungeteilte Zustimmung stoßen, denn Wolfgang Th. Doehm schuf mit diesem Relief eine Münze, die in ihrer unverkünstelten Gegenständlichkeit an historische Städtetaler erinnert. Passend dazu präsentiert sich auf der Wertseite ein klassischer Bundesadler, der tatsächlich die (oft vermisste) Würde eines Staatssymbols ausstrahlt. Inspiriert wurde Doehm bei dieser Darstellung von dem Wahrzeichen Goslars, dem vergoldeten Bronzeadler auf dem Marktbrunnen. Die angedeuteten Nieten auf den Schwingen verdeutlichen dabei den metallischen Charakter des mittelalterlichen Vorbilds.

Positiv vermerkte die Jury unter Vorsitz des Medailleurs Michael Otto aus Rodenbach auch die „exzellente modelliertechnische Ausführung“ und das „reizvolle Wechselspiel zwischen glänzendem Grund und mattem Relief“, das besonders durch die auf dem Münzgrund liegenden Fenster der historischen Gebäude zum Ausdruck komme.

Weitere Arbeiten aus dem Münzwettbewerb

Auch auf den anderen Arbeiten, die zum Münzwettbewerb für den Gold-Euro 2008 eingereicht wurden, stehen einige dieser Bauwerke symbolisch für das UNESCO-Weltkulturerbe in Goslar. Auf dem zweitplatzierten Entwurf von Reinhard Eber aus Feucht dominiert allerdings der berühmteste Sohn der Stadt, Heinrich VI. auf dem Kaiserthron. Gebäude und Bergwerks-Förderturm weisen eher klein auf den eigentlichen Ausgabeanlass hin.

Platz 3 ging an Anke Oltscher aus Nürnberg, die den historischen Marktbrunnen in das Zentrum ihres Gipsmodells stellte, von dem strahlenförmig Felder ausgehen, in denen typische Motive der Altstadt und des Bergwerks angeordnet sind. Um eine Entsprechung auf der Wertseite bemüht, gehen auch hier vom Adler in der Mitte Strahlen aus, was die Jury zu der Anmerkung veranlasste, diese unkonventionelle Lösung werde „der Bedeutung des Adlers als Staatswappen nicht gerecht“.

Insgesamt also hat Wolfgang Doehm aus Stuttgart verdient gewonnen, denn mit seinem Entwurf wird die Reihe der deutschen UNESCO-Gold-Euros im Jahr 2008 nicht nur einfach fortgesetzt, sondern um ein echtes Highlight bereichert.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe Januar / Februar 2008.


 


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