Aktuell: Januar / Februar 2008 Aktuelles Heft
 
Letzter Silber-Euro 2008: Himmelsscheibe von Nebra



Himmelsscheibe von Nebra: Sowohl die künstlerischen
Gestaltungsmittel als auch die astronomischen Inhalte überzeugten bei dem Entwurf des Medailleurs Bodo Broschat aus Berlin.

 

 

Im Münzwettbewerb für die 10-Euro-Gedenkmünze „Himmelsscheibe von Nebra“ wurde über das Motiv der letzten deutschen Silbermünze des Jahrgangs 2008 entschieden. Die Fachjury empfahl einen Entwurf von Bodo Broschat aus Berlin.

Auch das Motiv der für Oktober 2008 angekündigten deutschen 10-Euro-Gedenkmünze „Himmelsscheibe von Nebra“ steht mittlerweile fest. Das letzte noch fehlende Silber-Euro-Design dieses Jahrgangs wird nach einem Entwurf von Bodo Broschat aus Berlin geprägt. „Dem Künstler ist es hervorragend gelungen, auf der Bildseite die Himmelsscheibe von Nebra sowohl realistisch als auch stilisiert darzustellen“, heißt es dazu im Ergebnisprotokoll des Preisgerichts. Auch die weiteren inhaltlichen Aussagen des Entwurfs überzeugten, zum Beispiel dass im unteren Münzdrittel die Himmelsscheibe nochmals erscheint, nun aber in anderer Ausrichtung mit den Horizontbögen wie vom Fundort aus gesehen. Ebenso wie die Wiedergabe von Sichel- und Vollmond auf den seitlichen Münzfeldern mit blühenden Frühlingszweigen bzw. herbstlich kahlen Zweigen. Dazu tauchen rechts außerdem nochmals die Plejaden in Form von sieben Sternen auf.

Himmelsscheibe von Nebra

Die Himmelsscheibe wurde im Juli 1999 auf dem Mittelberg bei Nebra in Sachsen-Anhalt von Raubgräbern gefunden und gelangte erst Jahre später auf Umwegen über den Schwarzmarkt in staatlichen Besitz. Sie besteht aus Bronze, wiegt rund zwei Kilogramm und hat knapp über dreißig Zentimeter Durchmesser. Das enthaltene Kupfer soll aus der Salzburger Region stammen, während das Gold der Applikationen wohl aus Siebenbürgen war. Die Himmelsscheibe wurde vor rund 3.600 Jahren zusammen mit zwei Schwertern, Beilen und Armspiralen, sowie einem Meißel auf dem Gipfel des Mittelberges vergraben. Wie kein anderer archäologischer Fund belegt sie die Kenntnis der vorgeschichtlichen Menschen – oder zumindest einer bestimmten damaligen Elite – von den kosmischen Vorgängen.

„Der geschmiedete Himmel im Herzen Europas“

Der zweitplatzierte Entwurf des Pforzheimer Künstlers Eugen Ruhl schien nach Ansicht der Fachjury etwas zu sehr von der vorgesehenen Randschrift der Gedenkmünze geleitet: Der geschmiedete Himmel im Herzen Europas. Die detailgenaue, überbetonte Darstellung des Schmieds im Vordergrund würde die ansonsten gelungene Balance zwischen realistischer Ausarbeitung und Abstraktion stören. Tatsächlich wirkt die Himmelsscheibe im Hintergrund eher wie die Szenerie eines nächtlichen Himmels, wobei die Einbettung der Scheibe in die sanft gewellte Landschaft des südlichen Sachsen-Anhalts um den Fundort Nebra ausdrücklich gelobt wurde.

Bei der Arbeit von Patrick Niesel aus Schwaig, die den dritten Preis erhielt, sah die Fachjury nicht nur die Darstellung des Bundesadlers als kritisch an, auch die beidseitige Anordnung und Typographie der Schrift missfiel. Dafür würdigte das Preisgericht „die gelungene Darstellung sowohl der astronomischen Bedeutung der Himmelsscheibe von Nebra als auch des Fundortes und -kontextes“. Und: Trotz der Vielfalt der Motive stehe die Himmelsscheibe klar im Vordergrund.

Spezifikationen:
Himmelsscheibe von Nebra, 2008,
10 Euro, Silber 925/1000, ø 32,5 mm, 18 g, Auflagen: 1,5 Millionen in Stempelglanz und 260.000 in Spiegelglanz (Polierte Platte), Prägestätte Berlin (A).

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe Januar / Februar 2008.


 


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