Editorial: Juli / August 2008 Aktuelles Heft
 
Lieber einen höheren Nennwert als schlechtere Qualität

Wolfgang Erzinger, Herausgeber Deutsches Münzen Magazin.

Wolfgang Erzinger, Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin.

 

In den letzten fünf Jahren hat sich der Preis für Silber, in Euro gerechnet, verdreifacht. Der Wert des Edelmetalls macht bei einer deutschen 10-Euro-Gedenkmünze heute bereits rund drei Viertel des aufgeprägten Nennwerts aus. Wenn der Silberpreis mit ähnlicher Dynamik weiter nach oben geht, würde der „innere Wert“ der Münze das Nominal bald übersteigen. Solche Zahlungsmittel herauszugeben, kann sich aber kein Staat auf Dauer leisten. Was also tun, wenn dieser, im Augenblick zugegebenermaßen hypothetische Fall eintreten sollte?

In einer kleinen Leserumfrage in unserer letzten Ausgabe wollten wir genau das von Ihnen wissen. Vier Möglichkeiten haben wir zur Wahl gestellt: Prägung aus Kupfer-Nickel, schlechtere Silberlegierung verwenden, das Gewicht reduzieren oder den Nennwert erhöhen.

Zunächst möchte ich mich bei all jenen Lesern bedanken, die sich an dieser Umfrage beteiligt haben, auch wenn es keine Preise zu gewinnen gab. Sie haben einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass das Bundesfinanzministerium eine Entscheidungshilfe für den Fall der Fälle an die Hand bekommt.

Auch wenn es keine Repräsentativumfrage war, so liefert die Befragung doch ein aktuelles Meinungsbild, das umso höher gewichtet werden kann, als es ein wirklich signifikantes Ergebnis gebracht hat: 66 Prozent aller Teilnehmer, also ziemlich genau zwei Drittel, sprechen sich für eine Erhöhung des Nennwerts aus!

An zweiter Stelle wurde mit knapp 20 Prozent die Möglichkeit favorisiert, das Gewicht zu reduzieren. Die Münzen sollten aber auf keinen Fall kleiner, allenfalls etwas dünner werden, merkten die meisten dazu an. Grund: Münzkassetten und anderes Zubehör sind auf den jetzigen Durchmesser ausgelegt. Für die beiden anderen Möglichkeiten, nämlich den Silberanteil im Prägemetall zu reduzieren oder gar ganz auf unedle Metalle umzusteigen, sprachen sich zusammen weniger als 15 Prozent aus.

Die klare Botschaft an den Bundesfinanzminister lautet also: Auf Qualität will die Mehrheit der Sammler keinesfalls verzichten. Lieber soll der Nennwert erhöht werden. Wobei sich erstaunlich viele gleich für eine 20-Euro-Lösung aussprachen. „Krumme“ Nennwerte mögen sie offenbar nicht und außerdem wissen sie: So lange die deutschen Silber-Gedenkmünzen offizielles Zahlungsmittel sind, geht man kein Risiko ein. Ob 10 Euro oder 20 Euro – der aufgeprägte Nennwert wird in jedem Fall staatlich garantiert.

Ihr


 


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