Aktuell: Juli / August 2008 Aktuelles Heft
 
2009: Die Slowakei auf Euro-Kurs



Die silberne „Abschiedsmünze“ gehört zur beliebten EUROPA-Serie „mit Stern“ und zeigt eine Collage aus Motiven des bisherigen Umlaufgeldes, wie es auch im letzten Kronen-Kursmünzensatz
(unten) zu finden ist.




Drei unterschied-
liche Motive wird es
auf den acht neuen Umlaufmünzen der Slowakei geben. Die beiden Euro-Wertstufen
bilden das Landes-wappen ab. 10, 20 und 50 Cent zeigen die Bratislavaer Burg und die kupferfarbenen Kleinmünzen haben den Berg Kriván in der Hohen Tatra als Motiv.

 

 

Zum zehnten Geburtstag der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (WWU)
am 1. Januar 2009 wird die Slowakei als erstes ehemaliges Ostblockland der Euro-Zone beitreten. Die Sammler sitzen bereits in den Startlöchern.

Die EU-Staats- und Regierungschefs gaben Mitte Juni bei ihrem Brüsseler Gipfeltreffen grünes Licht für den Beitritt der Slowakei zur Wirtschafts- und Währungsunion.
Dass das ehemalige Ostblockland zum 1. Januar 2009 den Euro einführen würde, davon ist die Regierung offenbar bereits fest ausgegangen, denn im offiziellen Münzprogramm des Landes ist für Dezember 2008 bereits seit Monaten eine „Abschiedsmünze“ vorgesehen. Die große, zwei Unzen schwere 1000-Kronen-Silbermünze zeigt den modernen Glasturm der Nationalbank in Bratislava sowie das Landeswappen. Der EUROPA-Stern weist die Münze als Bestandteil der beliebten Gemeinschaftsserie aus.



Die Wertseite wurde als Collage aus Motiven des bisherigen Umlaufgeldes der Republik gestaltet, die in ein großes „€“ eingebettet sind. Die Umschrift lautet „SLOVENSKÁ KORUNA 1993 – 2008“ und weist damit auf die nur 15 Jahre währende Existenz einer eigenständigen slowakischen Krone nach der Trennung von Tschechien im Jahr 1993 hin. Der Run auf diese Gedenkmünze, die wie keine andere den Übergang des Landes zur Währungsunion dokumentiert, wird nicht nur in der Slowakei selbst enorm sein, auch viele westliche Euro-Sammler wollen sie sicherlich besitzen, insbesondere weil sie zur EUROPA-Serie „mit Stern“ gehört.

Begehrter Kursmünzensatz

Aber auch die letzten Umlaufmünzen in alter Währung sind begehrt. Derzeit gibt es insgesamt fünf Kursmünzen zu 50 Heller (Halierov) sowie zu 1, 2, 5 und 10 Slowakischen Kronen. Die kleinste Wertstufe zeigt den Turm der Burg Devin, die auf einem Felsvorsprung über der Donau an der Grenze zu Österreich liegt. Das 1-Kronen-Stück wird von einer Madonnenstatue aus dem 15. Jahrhundert geschmückt, die 2-Kronen-Münze hat als Motiv einen Venus-Torso aus dem 4. Jahrtausend vor Christus. Eine keltische Münze aus dem ersten vorchristlichen Jahrtausend ist auf dem 5-Kronen-Stück abgebildet und der Höchstwert zeigt ein Bronzekreuz aus dem 11. Jahrhundert.
Der letzte Kursmünzensatz in alter Währung ist traditionell den historischen Landesteilen der Slowakei gewidmet und gilt 2008 den Regionen Podpolanie, Liptov sowie Pohronie und Horehronie. Neben den fünf Umlaufmünzen ist zusätzlich eine Bimetall-Gedenkprägung in dem aufwändig gestalteten Jahressatz enthalten, die diese historischen Regionen würdigt.

Außer dem Kursmünzensatz und der Abschiedsmünze sieht der Ausgabeplan der Slowakischen Nationalbank 2008 noch zwei weitere Silbermünzen zu 200 und 500 Kronen vor, die dem 100. Todestag des Wissenschaftlers und Geistlichen Andrej Kmet beziehungsweise dem Nationalpark Niedere Tatra gewidmet sind. Das Highlight des Ausgabejahres ist eine 5000-Kronen-Münze in Gold. Sie soll im September erscheinen und gilt dem 400. Krönungstag des ungarischen Königs Matthias II., der damals über das Gebiet der Slowakei herrschte.

Die neuen Euro- und Cent-Münzen


Die Slowakei (Slovensko) ging 1993 aus der Teilung der Tschechoslowakei hervor und liegt zwischen Ungarn im Süden und Polen im Norden. Westlich grenzt das Land an Tschechien und Österreich, die rund 100 Kilometer lange Grenzlinie zur Ukraine markiert zugleich einen Teil der Ostgrenze der Europäischen Union. Im zu den Karpaten gehörenden Tatra-Gebirge bietet das Land ein alpines Bild, während der Süden in die ungarische Tiefebene übergeht. Hauptstadt des 5,5-Millionen-Einwohner-Staates ist Bratislava (Preßburg), wo sich als wichtigster Export-Motor auch ein Volkswagen-Werk befindet.

Die wechselvolle Geschichte des Landes, auf dessen Gebiet in vorchristlicher Zeit die Kelten lebten und später die Germanen, wurde ab dem 11. Jahrhundert von ungarischen Königen beherrscht, die ihrerseits 1526 dem Machtbereich der österreichischen Habsburger unterworfen wurden. 1804 wurde die Slowakei Teil des österreichischen Kaiserreichs und rund 60 Jahre später von Österreich-Ungarn. Nach dem Ersten Weltkrieg bildeten dann die Slowaken zusammen mit den Tschechen die Tschechoslowakei.

Das Staatswappen zeigt ein sogenanntes Patriarchenkreuz, ein Doppelkreuz, das schon seit dem Mittelalter ein Symbol der Slowaken darstellt. Es erhebt sich über einem Dreiberg, der die gebirgige Landschaft der Region versinnbildlicht. Dieses Hoheitssymbol ist auch Motiv der neuen Münzen zu 1 und 2 Euro. Auf den Münzen wird das Doppelkreuz vor dem Hintergrund eines Reliefs aus stilisierten Felsen gezeigt, die für Ausdauer und Stabilität des Staates stehen. Das Design wurde von dem einheimischen Bildhauer Ivan Rehak geschaffen.

Die zweistelligen Cent-Wertstufen stellen ein Wahrzeichen der Hauptstadt in den Mittelpunkt, die Bratislavaer Burg. Das historische Bauwerk befindet sich auf einem Felsen hoch über der Stadt am linken Ufer der Donau und dient heute Repräsentationszwecken und als Museum. Gestaltet wurde das Motiv von Jan Cernaj und Pavel Karoly von der Münzstätte in Kremnica.

Die drei kupferplattierten Kleinmünzen zu 1 bis 5 Cent zeigen den 2494 Meter hohen Gipfel des Bergs Kriván (Krummhorn) im Nationalpark Hohe Tatra, der in der Geschichte des Landes eine große Rolle spielt und auch als Symbol für den Naturreichtum des Landes steht. Drahomir Zobek, der auch Gestalter der derzeit umlaufenden Kronen-Münzen ist, hat das schlichte, aber eindrucksvolle Relief entworfen.

Die drei nationalen Motive der slowakischen Euro- und Centmünzen wurden bereits 2004 in einem anonymen Wettbewerb von der Bevölkerung des Landes ausgewählt und sollen die Slowakische Republik, ihre europäischen Geschichts- und Kulturtraditionen sowie das reiche Naturerbe künftig weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt machen.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe Juli / August 2008.


 


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