Editorial: März / April 2009 Aktuelles Heft
 
Gold – „Währung der Angst“ oder Anlage für Optimisten?

Wolfgang Erzinger, Herausgeber Deutsches Münzen Magazin.

Wolfgang Erzinger, Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin.

 

Ist Gold nun eigentlich etwas für Optimisten oder für Pessimisten? Die Pessismisten sind seit jeher mit Gold bestens bedient. Sie sehen schwarz für unsere Weltwirtschaft, sie trauen keinem Papiergeld und keiner Bankbürgschaft, ja nicht einmal mehr dem Staat. Da ist es gut, einen persönlichen Goldschatz zu besitzen, auf den man in der Not zurückgreifen kann.

Der Numismatiker und Goldexperte Horst-Rüdiger Künker sagt im Interview mit dem Deutschen Münzen Magazin: „Ja, ich stehe noch immer für die Ansicht ein, einen Teil des Geldes in Gold anzulegen. Sie kennen die Geschichten von Vertriebenen im Zweiten Weltkrieg, die auf der Flucht für eine Goldmünze ein halbes Jahr vom Bauern versorgt wurden. Für die Aktien oberschlesischer Industriebeteiligungen konnte man sich dagegen nichts zu Essen kaufen. Im Grunde hat sich daran nichts geändert. Gerade in Notzeiten ist Gold noch immer die sicherste Währung.“

Ist Gold also die vielbeschworene „Währung der Angst“? Nein, auch Optimisten setzen mittlerweile auf das Edelmetall. Sie glauben daran, dass die gigantischen Rettungspakete, die Politiker und Notenbanker derzeit schnüren, letztlich erfolgreich sein werden. Freilich wird die Stabilisierung des Welt-Finanzsystems mit einer ausufernden Geldmenge erkauft. Die Banknotenpressen laufen auf Hochtouren, Staatsschulden explodieren, Zinsen tendieren gegen Null. Die Folge werden inflationäre Tendenzen sein, gegen die sich nur Werte stemmen können, die nicht beliebig vermehrbar sind. Gold beispielsweise.

Selbst wer also die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft mit Zuversicht sieht, kommt nicht umhin, sich ernsthaft mit dem Thema Gold als Anlagealternative auseinanderzusetzen.
Dass dies auf breiter Front geschieht, beweist der Goldpreis. Ende Januar stieg er auf ein neues Allzeithoch – in Euro gerechnet. Weit über 700 Euro kostete die Feinunze, mehr als je zuvor. Und doch ist physiches Gold, also Münzen oder Barren, nur schwer zu bekommen. Seit Monaten sind die Goldhändler ausverkauft. Der Krügerrand als bekannteste Anlagemünze wird mittlerweile weit höher gehandelt, als es seinem inneren Wert entspricht. Die Südafrikaner kommen mit der Produktion einfach nicht nach.

Es gilt bei physischem Gold das eherne Marktgesetz von Angebot und Nachfrage. Das Angebot ist knapp. Und wer bereits Gold besitzt, will es nicht hergeben – egal ob er nun ein Optimist ist oder ein Pessimist.

Ihr


 


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