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Der Goldpreis zeigt sich langfristig weiter in einem
robusten Aufwärtstrend.
Nach der Ankündigung der USA wegen der Finanzkrise die
Banknotenpresse anzuwerfen, steigen unterdessen
Inflationsängste und beflügeln das gelbe Edelmetall
zusätzlich. Der Run auf Goldmünzen ist ungebrochen.
Die Ankündigung des US-Notenbankchefs Ben Bernanke,
den Finanzmarkt mit mehr als einer Billion Dollar zu fluten,
schlug wie eine Bombe ein: Aktienkurse, der Euro und nicht
zuletzt Gold schossen nach oben. Innerhalb von einer Stunde
legten am 18. März die Notierungen für das Edelmetall
um mehr als 50 Dollar pro Feinunze zu. Die Erklärung
ist einfach: Die kurzfristige Erhöhung der Geldmenge
um die schier unvorstellbare Summe von mehr als 1.000 Milliarden
Dollar (!) ist nicht etwa durch reale Werte oder Rücklagen
gedeckt. Amerika druckt einfach neues Geld. Direkte
Geldschöpfung nennt man das vornehm. Obwohl die aktuellen
Maßnahmen der USA (und Großbritanniens oder Japans)
derzeit unerlässlich erscheinen, schürt das Anwerfen
der Banknotenpressen die Inflationsgefahr. Und so schlug einmal
mehr die Stunde des Goldes, das seit altersher als sicherer
Hafen in Inflations- und Krisenzeiten gilt. Denn Gold
ist, anders als Geld, nicht beliebig vermehrbar.
Der Goldpreis unterliegt derzeit großen Schwankungen,
der langfristige Aufwärtstrend jedoch ist nach Ansicht
fast aller Experten intakt. Innerhalb weniger Monate hat sich
der Preis des Edelmetalls um fast 300 Dollar verteuert: Noch
Mitte November letzten Jahres kostete eine Feinunze Gold etwas
über 700 Dollar, Mitte Februar waren es dann 1.000 Dollar.
Danach ging es wieder um fast 100 Dollar nach unten. Mitte
März stieg der Wert erneut auf über 950 Dollar.
Diese Achterbahnfahrt birgt für den Investor natürlich
auch Chancen: Immer wieder gibt es günstige Einstiegszeitpunkte.
Echtes Gold ist gefragt
Wie bei allen Anlageformen ist allerdings auch bei Gold schwer
zu bestimmen, wann der richtige Moment zum Kauf gekommen ist.
Eine alte Anlegerregel besagt: Du musst von dem Produkt, in
das du investierst, überzeugt sein. Dann ist der Einstiegszeitpunkt
zweitrangig. Egal ob es Aktien, Immobilien, Kunst oder eben
Edelmetall-Münzen sind, auf die man setzt.
Doch mit Spekulation haben die meisten privaten Goldanleger
gar nichts im Sinn. Sie wollen Sicherheit in unsicheren Zeiten.
Und dafür steht Gold. Echtes Gold wohlgemerkt, keine
Gold-Aktien oder -Zertifikate. Nach einer Anfang März
veröffentlichten Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung
(GfK) messen inzwischen fast 90 Prozent der Anleger bei ihrer
Anlageentscheidung dem Sicherheitsaspekt eine entscheidende
Bedeutung bei. Der Renditeaspekt rückt dagegen mit 51
Prozent deutlich in den Hintergrund. Gold wurde zum willkommenen
Anlageobjekt
für Optimisten wie Pessimisten.
Es gibt eine irre Nachfrage nach physischem Gold
nach dem Motto: Ich möchte Gold nach Hause nehmen können,
nur da ist es sicher, wird Wolfgang Wrzesniok-Rossbach
vom Hanauer Edelmetallhändler Heraeus in einem Beitrag
der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitiert. Der
Gold-Experte spricht mit Blick auf diese Käufer von einem
relativ neuen Typ Investor: Frauen und Männer, die das
Edelmetall dauerhaft behalten wollen und sich nicht von Kursschwankungen
beeindrucken lassen. Die nicht verkaufen, nachdem sie stattliche
Kursgewinne zu Buche stehen haben, und die nicht nervös
werden, wenn Gold auf Talfahrt geht.
Deutsche Gold-Euros: Geldanlage für Sammler
Mittlerweile hat sich herumgesprochen was Münzensammler
schon lange wissen: Wer echtes Gold besitzen möchte,
setzt am besten auf Münzen. Die gibt es in verschiedensten
Stückelungen und sind so auch für Kleinanleger erschwinglich.
Sie sind in der Regel nicht teurer als Barrengold, aber viel
schöner und leicht wieder verkäuflich, wenn Not
am Mann ist. Auf Goldmünzen, die Anlagezwecken dienen,
wird in allen EU-Staaten seit Anfang 2000 keine Mehrwertsteuer
mehr erhoben. Das hat den großen Vorteil, dass man bei
einem späteren Wiederverkauf von der Bank oder dem Händler
nicht nur den Nettopreis (also abzüglich der Mehrwertsteuer)
bekommt, sondern den vollen Wert. Diese Sonderregelung soll
die Verwendung von Gold als Finanzinstrument fördern.
Zu den Goldmünzen, die mehrwertsteuerfrei ausgegeben
werden, gehören neben den bekannten Anlagemünzen
wie dem Krügerrand oder Österreichs Philharmoniker
auch die deutschen 100-Euro-Goldmünzen. Aus Sicht der
reinen Investoren hat der deutsche Gold-Euro zwar den Nachteil,
dass er nicht beliebig verfügbar ist, denn er wird in
einer begrenzten Auflage geprägt. Den Sammler freut das
allerdings umso mehr. Der Marktpreis dieser Gedenkmünzen
wird also nicht nur vom gestiegenen Goldkurs bestimmt (unter
den sie natürlich nie sinken können), sondern vielmehr
von ihrem Seltenheitswert. Und der liegt zumeist weit über
dem reinen Edelmetallpreis.
Die Goldmünzen der Bundesrepublik Deutschland sind übrigens
seit vielen Jahren der einzige Grund, warum sich die Goldvorräte
der Bundesbank leicht verringern. Für die Prägung
dieser inländischen Münzen werden pro Jahr etwa
fünf Tonnen der deutschen Goldreserven verkauft. Ansonsten
wurde seit dem Amtsantritt von Bundesbankpräsident Axel
Weber im Jahr 2004 kein Gold abgegeben. Auch wenn Politiker
dies immer wieder fordern, um Haushaltslöcher zu stopfen
oder Konjunkturprogramme zu finanzieren. Regelmäßig
geht dann ein Aufschrei durch die Bevölkerung. Vom Gold
wollen sich die Deutschen auch in Krisenzeiten wie diesen
nicht trennen weder privat noch als Staat.
Offiziell weist die Bundesbank derzeit 3.413 Tonnen Goldreserven
aus, den zweitgrößten Goldschatz der Welt nach
den USA. Die Wertsteigerungen des Edelmetalls lassen die Bilanzen
der Zentralbank glänzen: Allein 2008 wurde so ein Zugewinn
von fast sechs Milliarden Euro erzielt, zuzüglich der
Verkaufserlöse aus 4,8 Tonnen für die Gold-Euro-Prägung.
Die Zahlen sähen sehr viel schlechter aus, hätte
Webers Amtsvorgänger Ernst Welteke tatsächlich seine
Idee verwirklicht, Gold zu verkaufen und dafür unter
anderem europäische Aktien zu erwerben!
Gold ist eben ein ganz besonderer Stoff, dessen Gewicht noch
heute nicht nach Gramm und Kilo bemessen wird, sondern nach
Unzen. Den Leitartikler der Tageszeitung Die Welt,
Michael Stürmer, hat diese mittelalterliche Maßeinheit,
die bis heute jeder Dezimalisierung trotzt, zu einer fast
schon philosophischen Betrachtung bewegt: Es ist Zeichen,
dass Gold nicht von hier und nicht von heute ist, sondern
zu allen Zeiten der Wertbewahrung, dem menschlichen Schmuckbedürfnis
und der Spekulation diente, die auf Knappheit und Begehren
setzt.
Hochkonjunktur für Prägestätten
Kein Wunder also, dass die Nachfrage nach Goldmünzen
ungebrochen hoch ist. Bei Goldhändlern und Banken sind
viele Anlagemünzen nach wie vor ausverkauft. Dabei arbeiten
die Prägestätten mit Hochdruck. Von der US-Mint
über die Royal Canadian Mint bis zur Südafrikanischen
Münzstätte verzeichnen die Prägestätten
in aller Welt einen regelrechten Auftragsboom. Die Nachfrage
nach Gold und Silber ist beispiellos. Wir arbeiten hart, um
mit unserer Produktion hinterher zu kommen, sagte eine
Sprecherin der United States Mint der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Zahl der verkauften Gold-Eagles habe sich von 140.000
(2007) auf 710.000 im letzten Jahr mehr als verfünffacht.
Bei der Münze Österreich wurde inzwischen sogar
auf Drei-Schicht-Betrieb umgestellt. Rund um die Uhr laufen
dort die Prägeautomaten, um der immensen Nachfrage einigermaßen
Herr zu werden. Der Absatz der Gold-Unze Wiener Philharmoniker
stieg im vergangenen Jahr um das Sechsfache. Über eine
Million Gold-Philharmoniker aller Nominale wurden im Jahr
2008 abgesetzt gegenüber 245.000 im Jahr zuvor.
Auch die erst 2008 eingeführte Silbervariante findet
reißenden Absatz. In der ursprünglichen Planung
sei man von vier Millionen Münzen ausgegangen, bis Ende
Dezember seien dagegen 7,6 Millionen verkauft worden. Und
2009 hält der Trend offenbar an: In den ersten beiden
Monaten wurden 386.000 Goldmünzen abgesetzt, im gleichen
Vorjahreszeitraum waren es dagegen nur 66.000. Der Gold-Philharmoniker
konnte damit seine Position als Marktführer in Europa
(53 Prozent) noch ausbauen. In Japan soll der Marktanteil
der Österreicher sogar bei 85 Prozent liegen.
Gold ist ein Stück Sicherheit
Ob Sammler oder Anleger: In den letzten Jahren haben alle
von Gold profitiert. Und selbst wenn kein Gewinn damit verbunden
wäre, so gibt der Besitz von Gold doch den Menschen das
Gefühl von Sicherheit. Oder, wie die Financial
Times Deutschland in ihrer Ausgabe vom 17. März
prägnant formulierte: Wenn das Finanzsystem über
Nacht zusammenbricht ... darf sich glücklich schätzen,
wer Goldmünzen in kleiner Stückelung unter dem Kopfkissen
hat.
Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN
MAGAZIN, Ausgabe Mai / Juni 2009.
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