Aktuell: September / Oktober 2009 Aktuelles Heft
 
Neue EU-Richtlinie: Kleinstaaten ab 2010 betroffen

Die Kursmünzensätze des Vatikan (oben in PP und St) und von San Marino werden ab 2010 deutlich geringere Auflagen haben, wenn eine neue EU-Richtlinie wie geplant umgesetzt wird.

 

2009 scheint sich wieder etwas zu tun an der monegassischen Münzenfront: Im offiziellen „Journal de Monaco“ stand Anfang Juli zu lesen, dass es mit der Jahreszahl 2009 genau 143.326 neue 2-Euro-Kursmünzen geben wird – und zwar als Rollenware für den Umlauf! Man darf gespannt sein, in welche Preisregionen sich dieses eigentlich ganz normale Geldstück aufschwingen wird, ist es doch der erste Doppeleuro in Stempelglanz, der den neuen Herrscher, Fürst Albert II., zeigt.

 

Monaco, San Marino, Vatikan – wer an Wertsteigerungen bei Euromünzen denkt, dem fallen auf Anhieb diese drei Namen ein. Der Grund: Im Vergleich zu den anderen Euro-Ländern sind die Auflagen in diesen Kleinstaaten verschwindend gering. Und in Zukunft wird das Angebot noch knapper. Schuld ist eine neue EU-Richtlinie.


Sie sind keine Vollmitglieder der Europäischen Union, aber sie dürfen den Euro prägen: Die Kleinstaaten Monaco, San Marino und Vatikan. Durch Währungsabkommen sind sie über ihre EU-Mutterländer Frankreich und Italien mit dem Euroraum verbunden. Bis zu einer jeweiligen Höchstgrenze, beispielsweise einer Million Euro Nennwert jährlich beim Vatikan, ist es den Ministaaten gestattet, Münzen in Euro-Währung auszugeben. Damit wurde der Tatsache Rechnung getragen, dass diese drei Länder auch schon vor 2002 eigene Münzen prägen durften – damals noch in Francs und Lire.

War das Interesse der Sammler an diesen Vor-Euro-Münzen noch eher verhalten, so entstand mit der Währungsumstellung ein gewaltiger Run auf die Kleinstaatenmünzen. Denn nun gehörten sie nicht nur zur jeweiligen Länderkollektion, die man nach Belieben sammeln konnte, jetzt waren die Münzen von Monaco, San Marino und dem Vatikan plötzlich unverzichtbarer Bestandteil einer vollständigen Euro-Kollektion. Jeder Komplettsammler wollte (und will) sie besitzen. Allein: Die Miniauflagen gestatten dieses Privileg nur sehr wenigen. Und weil bei hoher Nachfrage aber geringem Angebot bekanntlich die Preise steigen, kam es zu den teils schon legendären Wertsteigerungen.

Ab nächstem Jahr dürfte sich die Situation noch einmal verschärfen. Schuld daran ist eine neue gemeinsame Leitlinie der EU-Kommission. Wörtlich heißt es in der von den Staats- und Regierungschefs der EU am 10. Februar 2009 gebilligten Richtlinie: „Euro-Umlaufmünzen sollten zum Nennwert in Umlauf gebracht werden. Des ungeachtet kann ein kleiner Teil der ausgegebenen Euro-Münzen zu einem höheren Preis veräußert werden, wenn dieser Preis durch eine besondere Qualität oder Aufmachung gerechtfertigt ist.“ Im Klartext bedeutet das, dass künftig mehr als die Hälfte der geprägten Umlaufmünzenmenge zum Nennwert in Verkehr gebracht werden soll und nur der verbleibende kleinere Teil in „Polierter Platte“ oder als Kursmünzensätze vom Ausgabeland über Nominal verkauft werden darf.

Für Deutschland und die anderen großen Euro-Länder bringt die neue Richtlinie insoweit keine Veränderungen. Anders dagegen bei den Kleinstaaten San Marino und Vatikan, die dadurch erhebliche finanzielle Einbußen hinzunehmen hätten. Denn hier gelangen derzeit praktisch überhaupt keine Kursmünzen regulär in den Umlauf. Der Vatikan beispielsweise gibt für 2009 eine „Höchstauflage“ von 91.400 kompletten Serien in Stempelglanz an, von denen 85.000 zu Kursmünzensätzen verpackt und zu einem höheren Preis als 3,88 Euro, also der Summe der aufgeprägten Nennwerte, ausgegeben wird.

Umsetzung der EU-Richtlinie sorgt für niedrigere Sammlerauflagen

Sollte die Richtlinie so umgesetzt werden, bedeutet dies, dass (inklusive Spiegelglanz) von den etwas mehr als 106.000 kompletten Serien pro Jahr nur noch rund 50.000 als Kursmünzensätze ausgegeben werden sollen. Die Auflage der Sätze würde also glatt halbiert! Bei gleichbleibend hoher Nachfrage dürften die Preise für Vatikan-Jahressätze deshalb ab 2010 explodieren.

Möglicherweise ist das letzte Wort in dieser Sache noch nicht gesprochen. Vom Vatikan jedenfalls war zu hören, dass die Umsetzung der EU-Leitlinien zu „operativen Problemen“ führen werde, deshalb müsse man „nochmals miteinander sprechen“. In einem Interview mit dem ZDF, das am 23. Juni ausgestrahlt wurde, sagte Pier Paulo Francini, Direktor des vatikanischen Münzamts, „dieses Abkommen spricht von einer Möglichkeit, aber nicht von Zwang.“ In der Tat sind alle Formulierungen der Richtlinie im Konjunktiv gehalten. Davon sollte man sich jedoch nicht täuschen lassen. Da die Münzhoheit bei den Mitgliedsländern liegt, kann die EU hier nicht bindend anordnen. Allerdings wurden bislang alle Leitlinien der EU-Kommission zum Thema Münzen wie Gesetze befolgt. Und es ist mehr als fraglich, ob Frankreich und Italien davon abweichen werden. Denkbar ist jedoch, dass die Obergrenzen für die Ausgabe von Münzen in den Währungsabkommen mit den Kleinstaaten etwas heraufgesetzt werden und damit die Folgen der neu-
en EU-Leitlinie etwas abgemildert werden.

In jedem Fall ist aber davon auszugehen, dass die Auflagen der Kursmünzensätze und der 2-Euro-Gedenkmünzen in Blisterverpackung von San Marino und dem Vatikan ab 2010 deutlich geringer ausfallen werden als bisher. Noch höhere Wertsteigerungen sind damit vorprogrammiert. Monaco ist von dieser Entwicklung kaum betroffen, machte das Fürstentum doch von seinem Recht, Euro-Münzen herauszugeben, schon in der Vergangenheit längst nicht in vollem Umfang Gebrauch.


Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe September / Oktober 2009.


 


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