Editorial: Juli / August 2010 Aktuelles Heft
 
Historischer Höchststand: Goldpreis im Mai erstmals über 1000 Euro

Wolfgang Erzinger, Herausgeber Deutsches Münzen Magazin.

Wolfgang Erzinger, Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin.

 

Der Goldpreis hat eine Schallmauer durchbrochen: Mitte Mai 2010 lag er erstmals über 1000 Euro. Und Anfang
Juni erreichte er mit 1025 Euro pro Feinunze einen neuen historischen Rekordstand. Nie war Gold so teuer wie heute. Besonders für uns Europäer. Denn international wird das gelbe Edelmetall in US-Dollar gehandelt – und der hat gegenüber dem Euro in den letzten Monaten erheblich zugelegt. Oder richtiger: Der Euro hat gegenüber dem Dollar stark an Wert verloren. Schuld ist die Vertrauenskrise der Gemeinschaftswährung, ausgelöst durch den Beinahe-Kollaps des Eurolands Griechenland und Bonitätsprobleme anderer südeuropäischer Länder. Selbst Nachrichten über massive Haushaltsdefizite Ungarns, das ja bekanntlich noch den Forint besitzt, ließen den Eurokurs weiter sinken – zuletzt auf unter 1,20 Dollar.

Die Inflationsangst geht um und treibt die Anleger scharenweise in den „sicheren Hafen“ Gold. Barren und Anlagemünzen sind vielerorts ausverkauft. Die Prägestätten vermelden Rekordzahlen. So hat die US-Mint im Mai 2010 allein 190.000 Unzen des American Gold-Eagle verkauft. Das waren 214 Prozent mehr als noch im April und so viel wie seit 1999 nicht mehr. Noch drastischer war der Zuwachs beim europäischen Marktführer unter den Anlagemünzen, dem Gold-Philharmoniker aus Österreich: Innerhalb von zwei Wochen im April wurde mit 245.000 Unzen oder 7,6 Tonnen mehr Gold verkauft als im gesamten ersten Quartal 2010. Auch Südafrikas Rand Refinery, die größte Goldschmelze der Welt, arbeitet an der Kapazitätsgrenze und produziert mit wöchentlich 30.000 Unzen derzeit 50 Prozent mehr Krügerrand-Rohlinge für die South African Mint als sonst. Sammlermünzen aus Edelmetall (übrigens ganz stark auch auch in Silber!) folgen dem Boom und ziehen im Wert deutlich an. Nicht nur moderne, sondern auch historische, wie Sie in unserer Titelgeschichte ab Seite 12 nachlesen können.

Wohin soll das führen? Hält der rasante Aufwärtstrend an, oder ist es eine Spekulationsblase, die bald platzt? Die Meinungen darüber gehen auseinander. Manche Beobachter sehen Gold schon bei 5000 Dollar. Solche Preisperspektiven sind aber nichts, worüber Anleger sich freuen sollten, schreibt die Tageszeitung „Die Welt“, denn „die Notierung des Goldes ist immer auch eine Art Fieberthermometer für den Zustand der Weltwirtschaft. Ist sie hoch, zeigt das lediglich an, wie groß die Probleme sind.“ Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank, sagt: „Niemand sollte mit Gold Gewinn machen wollen. Es ist eine Versicherung, von der niemand hoffen sollte, sie je in Anspruch nehmen zu müssen.“ Dem kann ich mich nur anschließen.

Ihr


 


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