|

Wolfgang Erzinger, Herausgeber
Deutsches Münzen Magazin.
|
|
Der Goldpreis hat eine Schallmauer durchbrochen: Mitte Mai
2010 lag er erstmals über 1000 Euro. Und Anfang
Juni erreichte er mit 1025 Euro pro Feinunze einen neuen historischen
Rekordstand. Nie war Gold so teuer wie heute. Besonders für
uns Europäer. Denn international wird das gelbe Edelmetall
in US-Dollar gehandelt und der hat gegenüber dem
Euro in den letzten Monaten erheblich zugelegt. Oder richtiger:
Der Euro hat gegenüber dem Dollar stark an Wert verloren.
Schuld ist die Vertrauenskrise der Gemeinschaftswährung,
ausgelöst durch den Beinahe-Kollaps des Eurolands Griechenland
und Bonitätsprobleme anderer südeuropäischer
Länder. Selbst Nachrichten über massive Haushaltsdefizite
Ungarns, das ja bekanntlich noch den Forint besitzt, ließen
den Eurokurs weiter sinken zuletzt auf unter 1,20 Dollar.
Die Inflationsangst geht um und treibt die Anleger scharenweise
in den sicheren Hafen Gold. Barren und Anlagemünzen
sind vielerorts ausverkauft. Die Prägestätten vermelden
Rekordzahlen. So hat die US-Mint im Mai 2010 allein 190.000
Unzen des American Gold-Eagle verkauft. Das waren 214 Prozent
mehr als noch im April und so viel wie seit 1999 nicht mehr.
Noch drastischer war der Zuwachs beim europäischen Marktführer
unter den Anlagemünzen, dem Gold-Philharmoniker aus Österreich:
Innerhalb von zwei Wochen im April wurde mit 245.000 Unzen
oder 7,6 Tonnen mehr Gold verkauft als im gesamten ersten
Quartal 2010. Auch Südafrikas Rand Refinery, die größte
Goldschmelze der Welt, arbeitet an der Kapazitätsgrenze
und produziert mit wöchentlich 30.000 Unzen derzeit 50
Prozent mehr Krügerrand-Rohlinge für die South African
Mint als sonst. Sammlermünzen aus Edelmetall (übrigens
ganz stark auch auch in Silber!) folgen dem Boom und ziehen
im Wert deutlich an. Nicht nur moderne, sondern auch historische,
wie Sie in unserer Titelgeschichte ab Seite 12 nachlesen können.
Wohin soll das führen? Hält der rasante Aufwärtstrend
an, oder ist es eine Spekulationsblase, die bald platzt? Die
Meinungen darüber gehen auseinander. Manche Beobachter
sehen Gold schon bei 5000 Dollar. Solche Preisperspektiven
sind aber nichts, worüber Anleger sich freuen sollten,
schreibt die Tageszeitung Die Welt, denn die
Notierung des Goldes ist immer auch eine Art Fieberthermometer
für den Zustand der Weltwirtschaft. Ist sie hoch, zeigt
das lediglich an, wie groß die Probleme sind.
Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank, sagt:
Niemand sollte mit Gold Gewinn machen wollen. Es ist
eine Versicherung, von der niemand hoffen sollte, sie je in
Anspruch nehmen zu müssen. Dem kann ich mich nur
anschließen.
Ihr

|