Titel Juli / August 2010 Aktuelles Heft
 
Edelmetall-Boom: Bei historischen Goldmünzen machen Anleger den Sammlern zunehmend Konkurrenz

Die Welt im Goldrausch: Zunehmend entdecken Geldanleger auch historische Goldmünzen für sich und verknappen so die ohnehin geringen Mengen weiter. Die Folge: Seit Jahren verzeichnen zum Beispiel die Goldmünzen des Deutschen Kaiserreichs kontinuierliche Wertzuwächse.

Wenn es ums Thema Geldanlage geht, steht Gold gegenwärtig ganz weit oben. Gerade Investoren, die nach sicheren und zugleich gewinnträchtigen Alternativen suchen, kaufen vermehrt wertvolle Münzen. Gefragt sind neben modernen Anlagemünzen seit geraumer Zeit auch verstärkt historische Goldmünzen. Sie verfügen neben dem reinen Edelmetallwert oft über einen beträchtlichen Sammlerwert. Da diese Münzen nicht beliebig vermehrt werden können, die Nachfrage aber immer weiter wächst, ist deren Wertsteigerungspotenzial besonders groß.

Durch den anhaltenden Goldpreis-Boom (siehe auch "Editorial") rückte damit auch ein absoluter Klassiker unter den deutschen Münzensammlungen noch stärker in den Mittelpunkt des Interesses: die Goldmünzen des Deutschen Kaiserreichs.




Das enorme Interesse für Münzen aus dem Deutschen Kaiserreich bestätigten beispielsweise auch die Veranstalter der letzten Westfälischen Münz- & Sammlerbörse in Dortmund, wo diese teilweise mehr als ein Jahrhundert alten Exemplare zu den „Publikumslieblingen“ zählten. Auch sei allgemein ein lebhafter Handel mit Gold- und Silbermünzen zu beobachten gewesen

Deutlich bemerkbar macht sich die gegenwärtig erhöhte Nachfrage für das Kaiserreich-Gold auch in Ankaufspreisen von Münzhändlern, die seit unserem letzten Bericht zu diesem Thema in Heft 5/2009 kontinuierlich nach oben tendieren. Offenbar ist das Angebot im diesem Bereich stark geschrumpft und gleichzeitig die Bereitschaft von Sammlern, sich von historischen Goldmünzen mit Landesbezug zu trennen, signifikant zurückgegangen. Deshalb werden heute Händler-Ankaufspreise bewilligt, die teils weit höher liegen als die entsprechenden Verkaufspreise noch vor Jahresfrist. Die „Flucht in Sachwerte“ ist ungebrochen.

Dies trifft umso mehr auf die sehr seltenen Topraritäten unter den Goldmünzen des Deutschen Kaiserreichs zu. Als Exempel lässt sich etwa die erste und einzig 1888 erschienene Goldmünze des bayerischen Königs Otto anführen, die mit 10 Mark Nennwert in München geprägt wurde. Noch seltener und wertvoller wird es bei den Goldmünzen der Freien Hansestadt Bremen, von denen es lediglich ein 20-Mark-Stück von 1906 sowie eine Ausgabe zu 10 Mark aus dem Jahr darauf gibt. Angesichts der bereits ursprünglich minimalen Auflagen knapp über 20.000 sind hier hohe Liebhaberpreise zu zahlen.
Ganz exklusiv wird es dann beim Angebot von Goldmünzen des Fürsten Georg zu Schaumburg-Lippe, der nur in den Jahren 1898 und 1904 jeweils ein 20-Mark-Stück in 5000er Miniauflage prägen ließ. Solche Topraritäten stellen sowohl für anspruchsvolle Sammler als auch längerfristig orientierte Anleger wahre Geheimtipps dar.
Gegenüber dem Deutschen Münzen Magazin sagte der Numismatiker und Goldexperte Horst-Rüdiger Künker aus Osnabrück dazu: „Das ist wie bei den meisten Kunstgegenständen: Zur reinen Geldanlage kommt hier noch die Freude am Besitz dieser schönen Münzen hinzu. Deshalb ist die Nachfrage gerade nach Stücken in Besterhaltung ungebrochen hoch. Das treibt die Preise – unabhängig vom aktuellen Edelmetallkurs.“

50 Prozent höhere Katalogpreise


Aber auch Jahrgänge von Goldmünzen des Deutschen Kaiserreichs, die bis vor Kurzem noch relativ häufig und preiswert angeboten wurden, sind knapp geworden. So verzeichnet der „Kleine Deutsche Münzkatalog“ gerade bei „vorzüglich“ erhaltenen 20-Mark-Goldmünzen Preußens dramatische Wertsteigerungen. Gegenüber der Ausgabe 2008 liegen die Bewertungen im Katalog 2010 teilweise um bis zu 50 Prozent höher. Aus der Konkurrenz durch Anleger können Sammler also auch ihren Nutzen ziehen: Sie frönen ihrer Leidenschaft und profitieren gleichzeitig von den Wertsteigerungen.

Ob der Zug bereits abgefahren ist? Das wollen heute natürlich viele Neueinsteiger und Sammler wissen, die noch Lücken in Ihrer Kaiserreich-Gold-Sammlung zu schließen haben. Die Mehrzahl der Experten meint: nein! Es besteht angesichts des intakten Aufwärtstrends bei den Edelmetallen immer noch genügend „Luft nach oben“. Vorläufig dürften die Preise also weiter steigen.

Vollständiger Artikel im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN, Ausgabe Juli / August 2010.


 


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