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Siegreicher Gedenkmünzen-Entwurf von Victor Huster:
Sammlungsgegenstände der Deutschen Nationalbibliothek
gelungen in einen menschlichen Kopf projiziert.

Die 1912 in Leipzig gegründete Deutsche
Bücherei, der später das Deutsche Musikarchiv angegliedert
wurde, bildet zusammen mit der Deutschen Bibliothek in Frankfurt
am Main heute die Deutsche Nationalbibliothek.
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Für September 2012 ist die Ausgabe einer 10-Euro-Gedenkmünze
geplant, die dem Thema 100 Jahre Deutsche Nationalbibliothek
gewidmet ist.
Das Bundeskabinett entschied sich für einen Entwurf von
Victor Huster aus Baden-Baden, der im Münzwettbewerb
den 1. Preis gewonnen hatte.
Es verwundert eigentlich, dass es im Land der Dichter
und Denker eine Nationalbibliothek erst seit 100 Jahren
gibt. Ist sie doch eine Institution, die zur Aufgabe hat,
das wissenschaftliche und kulturelle Erbe Deutschlands zu
sammeln, zu dokumentieren und zu archivieren. Der Anstoß,
das nationale Schrifttum der Öffentlichkeit zugänglich
zu machen und für die Nachwelt zu erhalten, kam vom Börsenverein
der Deutschen Buchhändler. Er gründete, unterstützt
vom Königreich Sachsen und der Stadt Leipzig, am 3. Oktober
1912 die Deutsche Bücherei. Sie ist eine der drei Vorgängereinrichtungen
der heutigen Deutschen Nationalbibliothek, zu denen auch die
nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankfurt am Main gegründete
Deutsche Bibliothek und das Deutsche Musikarchiv gehören,
das letztes Jahr von Berlin nach Leipzig umgezogen ist.
Mittlerweile werden längst nicht mehr nur gedruckte Publikationen
wie Bücher oder Notenblätter archiviert, sondern
auch alle Arten von Tonträgern und elektronischen Medienwerken.
2006 wurde der Sammelauftrag per Gesetz auch auf Veröffentlichungen
im Internet erweitert, die heute ebenfalls zum kulturellen
Erbe Deutschlands gezählt werden. Die Deutsche Nationalbibliothek
stellt ihre Sammlungen nicht nur der Forschung und Wissenschaft
zur Verfügung, sondern der gesamten Öffentlichkeit.
Die beiden Präsenzbibliotheken in Leipzig und Frankfurt,
in deren Magazinen rund 25 Millionen Medieneinheiten lagern,
werden täglich von mehr als 20000 Menschen genutzt. Allein
in den Lesesälen stehen über 800000 Werke bereit.
Bücher und Noten im Kopf
Wie setzt man das 100-jährige Jubiläum einer solchen
Institution nun auf dem 32,5 Millimeter messenden Rund einer
Gedenkmünze plastisch um? Das war die Frage, der sich
auch die zum Gestaltungswettbewerb eingeladenen Künstler
stellen mussten. Victor Huster aus Baden-Baden, der Medailleur
mit der unverkennbaren Handschrift, entschied sich für
eine Collage aus Sammlungsgegenständen der Bibliothek,
die er in einen menschlichem Kopf projiziert hat. Das Preisgericht
war sehr angetan und lobt den siegreichen Entwurf als schwungvolle,
dynamische, junge Komposition.
Das Gesicht auf der Bildseite steht stellvertretend für
die Leser in der Bibliothek, Bücher und Buchstaben für
Schriftgut, die binären Zeichen für die digitale
Welt und Notenschlüssel stellvertretend für Musik
und Tonträger. Die Zusammenstellung von Nutzung
und Sammlung, von Mensch und Werk charakterisiert die Bibliothek
sehr treffend. Sie abstrahiert von konkreten baulichen Gegebenheiten,
Orten und Bildern und zeigt inhaltlich doch all das, was die
Deutsche Nationalbibliothek ausmacht, lobt die Jury
einstimmig. Auch die Wertseite mit ihrem künstlerisch
gestalteten hoheitlich würdigen Adler sei
ein wunderbares Pendant zur Bildseite. Lediglich
der Schriftzug Silber 625 für die Spiegelglanzversion
müsse deutlich größer gestaltet werden. Bis
zur endgültigen Prägung der Münze wird dieser
Punkt noch geändert.
Die Konkurrenzentwürfe
Ebenfalls nach Baden-Baden ging der 2. Preis. Und wie Victor
Huster zeigt auch Erika Binz-Blanke in ihrem Entwurf nicht
etwa die markanten Bibliotheksgebäude in Leipzig und
Frankfurt, sondern verbindet in ihrer Komposition Besucher
und Sammlungsgegenstände. Die geschwungenen Linien, die
die Collage einfassen, werden von den Preisrichtern als Orbit
gedeutet, der die zu Masken ab-strahierten Gesichter der Nutzer,
die Bücher und CDs umgibt. Die Künstlerin habe damit
ein starkes Bild für den Sammel- und Bereitstellungsauftrag
der Deutschen Nationalbibliothek gefunden, wie auch Symbole
für die Entwicklung der Medienwerke über die Zeit
dargestellt.
Der 3. Preis wurde Doris Waschk-Balz aus Hamburg zuerkannt,
die in einer klaren, plastischen Darstellung den Lesesaal
einer Bibliothek zeigt. Der Fortschritt in der Informationsbereitstellung
wird durch zwei Personen symbolisiert, von denen die eine
ein Buch liest, die andere mit einem Laptop-Computer arbeitet.
Die Besonderheit der Deutschen Nationalbibliothek werde, so
das Preisgericht, jedoch nicht hinreichend deutlich.
Dennoch sei die Umsetzung des Themas technisch wie künstlerisch
gut gelungen.
Platz 4 im Künstlerwettbewerb ging an Friedrich Brenner
aus Diedorf. Auch er wählte einen Lesesaal als Hauptmotiv,
der hier jedoch eher dem Vorlesungssaal in einer Universität
ähnelt. Der Clou des Entwurfs ist zweifellos die kreisrunde
glatte Fläche im Zentrum des Bildes. Sie erinnert an
den gelochten Mittelteil einer CD oder DVD und symbolisiert
damit einen modernen Datenträger, der auch in der Deutschen
Bibliothek einen hohen Stellenwert besitzt. Auf der Wertseite
bietet dieser Innenkreis Raum für den Bundesadler, der
dadurch naturgemäß sehr klein ausgefallen ist.
Die Jury hält die Arbeit dennoch aufgrund der unkonventionellen
aber graphisch und reliefplastisch gelungenen Lösung
für preiswürdig.
Nichts mit elektronischen Datenträgern, digitaler Welt
oder Internet dagegen hat die Randschrift zu tun. Sie lautet
klassisch und schlicht: Bücher sind der Eingang
zur Welt ein Zitat, das dem österreichischen
Schriftsteller Stefan Zweig zugeschrieben wird.
Spezifikationen: 100 Jahre Deutsche Nationalbibliothek,
2012, 10 Euro, Silber 625/1000 mit 16 g (Spiegelglanz), Kupfer-Nickel
CuNi25 mit 14 g (Stempelglanz), ø 32,5 mm, Prägestätte
München (D). Die genauen Auflagen werden noch festgelegt.
Vollständiger Artikel mit Abbildungen der Konkurrenzentwürfe
im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN November/Dezember 2011.
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