Aktuell: Januar/Februar 2012 Aktuelles Heft
 
200 Jahre Grimms Märchen: Auftakt für neue Serie

Professor Christian
Höpfner aus Berlin siegte im Münzwettbewerb „200 Jahre Grimms Märchen“ mit seinem „überaus stimmigen Gesamtentwurf“.

 

Die für Juni 2012 angekündigte 10-Euro-Gedenkmünze „200 Jahre Grimms Märchen“ mit dem Doppelporträt der Brüder Grimm soll Auftakt für eine neue Serie mit Motiven aus der berühmtesten deutschen Märchensammlung sein.

Die Ankündigung findet sich eher versteckt und ohne weitere Erläuterung im Ergebnisprotokoll des Preisgerichts zur 10-Euro-Gedenkmünze „200 Jahre Grimms Märchen“: „Die Münze soll Auftakt für eine Serie mit Motiven aus den gesammelten Märchen der Brüder Grimm sein.“ Wenn es dazu kommt, wäre das eine kleine Sensation in der bundesdeutschen Münzgeschichte. Denn nie zuvor – sieht man einmal von Olympia 1972 oder der Fußball-WM 2008 ab – gab es innerhalb des deutschen 5- oder 10-DM- bzw. -Euro-Programms eine Motivserie zu einem bestimmten Thema. Es wurde zwar von 2003 bis 2005 einmal der Versuch unternommen, eine solche Serie zu etablieren (Ruhrgebiet, Wattenmeer, Bayerischer Wald), jedoch war der gemeinsame Ausgabeanlass „Landschaften in Deutschland“ als Inschrift auf den Münzen nicht erkennbar. Von den Motiven her könnte eine Märchen-Serie durchaus attraktiv sein und thematisch sowieso, handelt es sich bei den Erzählungen doch um traditionsreiches deutsches Kulturgut.

Dass die Märchen bis heute nicht vergessen sind, ist das große Verdienst der Brüder Grimm. Sie gehören zu den bedeutendsten Sprachwissenschaftlern der Welt, die unter anderem „den Grimm“, das umfassendste Wörterbuch der deutschen Sprache aus der Taufe hoben. Im Rahmen ihrer weitgefächerten Forschungs­arbeit sammelten sie auch mündlich überlieferte Texte, vor allem deutsche Märchen und Sagen. Die 1785 und 1786 im hessischen Hanau geborenen Brüder Jacob und Wilhelm Grimm setzten sich zum Ziel, all diese Geschichten aufzuschreiben. Über 200 der schönsten Märchen sind der Mensch­heit so erhalten geblieben.

Vorgabe fürs Münzmotiv: Grimms Doppelporträt


Die Erstausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ erschien 1812, vor genau 200 Jahren also. Diesem Jubiläum ist die 10-Euro-Gedenkmünze gewidmet, die am 14. Juni erscheinen soll. Sie zeigt ein Doppelporträt der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm von 1843, das ihr Bruder Ludwig Emil während eines Besuchs in Berlin zeichnete. Diese Radierung wurde – ein seltener Fall – den Künstlern im Münzwettbewerb vorgegeben, weil sie sich durch ihre relieforientierte Formensprache besonders gut für die Umsetzung auf einer Münze eigne. Das Ausgangsmaterial war also für alle Teilnehmer gleich, entsprechend ähnlich sehen sich diesmal die Entwürfe.

Das Rennen gemacht hat schließlich Professor Christian Höpfner aus Berlin, dessen Arbeit das Preisgericht überzeugte, weil er „beide Gesichter in einer porzellanfeinen Oberfläche zusammenfasst und gegen den Münzgrund absetzt“. Überdies kontrastiere der Bundesadler auf der Wertseite in seiner Schlichtheit gelungen mit dem Portrait. Als Resümee wird die Jury in ihrem Urteil geradezu poetisch: „Der in sich überaus stimmige Gesamtentwurf holt in einem zart schimmernden Bild die Welt der Brüder Grimm in die Gegenwart.“

Platz 2 holte sich Michael Otto aus Rodenbach, bei dem die Preisrichter die „plastische, eindrucksvolle Darstellung der Brüder Grimm“ mit hohem Wiedererkennungswert loben, „die mit der asymmetrischen Umschrift überaus gelungen in die Fläche gesetzt ist“. Die Wertseite allerdings wirke durch die Überproportionierung der Federpracht in der Adlerdarstellung etwas überfüllt.

Hannes Dauer aus Schönbrunn-Steinsdorf bekam den 3. Preis. Hervorstechendes Merkmal der Bildseite ist die sehr eigenständige Form des Doppelporträts als Kombination aus naturalistischen Gesichtsreliefs mit einer flächigen Gestaltung der Haare und der in skizzenhaften Strichen angedeuteten Kleidung. Diesen anspruchsvollen und durchaus riskanten Ansatz würdigte die Jury ausdrücklich. Die künstlerische Umsetzung gelinge aber „nicht gänzlich“, so das Urteil.

Agatha Kill aus Ilbesheim setzte ich mit ihrem Entwurf sehr deutlich von der Konkurrenz ab, denn sie beschränkte sich nicht nur auf das vorgegebene Doppelporträt, sondern zeigt klein darunter auch noch ein Bild der Märchenerzählerin Dorothea Viehmann (1755 – 1815), von der die Brüder Grimm rund 40 Geschichten übernommen haben sollen und die deshalb als wichtigste Quelle der Märchensammlung gilt. Außerdem sind hier die Porträts in einen Hintergrund aus dicht gedrängten Märchentiteln eingebettet. Bei der Jury kam das nicht so gut an, weil den Preisrichtern das Motiv insgesamt etwas überladen erschien. Die „interessante Idee“ bescherte der Bildhauerin aber immerhin noch einen respek-
tablen 4. Preis.

Spezifikationen:
200 Jahre Grimms Märchen, 2012,
10 Euro, Silber 625/1000, 16g (Spiegelglanz), Kupfer-Nickel CuNi25, 14 g (Stempelglanz), ø 32,5 mm, Prägestätte Stuttgart (F). Randschrift: „UND WENN SIE NICHT GESTORBEN SIND...“ Die genauen Auflagen werden noch festgelegt.


Vollständiger Artikel mit Darstellung der Konkurrenzentwürfe im DEUTSCHEN MÜNZEN MAGAZIN Januar/Februar 2012.


 


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